Für die Ostkirche gilt der österlich gedeutete Abstieg ins Totenreich als das zentrale Heilsereignis.
Für die lateinische Kirche dagegen gehört der Hinabstieg Jesu Christi in das Reich des Todes zu den weithin vergessenen Glaubenswahrheiten; obwohl er Sonntag für Sonntag im Glaubensbekenntnis bekannt wird, erscheint er den meisten Christen fremd und unverständlich.
In der Sprache des antiken Weltbildes findet so die Glaubensüberzeugung ihren Ausdruck, dass Jesus nicht nur das allgemeine Todesschicksal geteilt habe, sondern auch eingegangen sei in die ganze Verlassenheit und Einsamkeit des Todes, dass er die Erfahrung der Sinnlosigkeit, die Nacht und in diesem Sinn die Hölle des Menschseins auf sich genommen habe.
Wer nicht an die Existenz einer Hölle glauben kann, mag sich einfach einmal in unserer konkreten Welt umschauen. Er wird genügend unerträgliche und todbringende „Höllen“ entdecken: In der Ukraine, in Palästina-Israel, an den vielen Kriegsschauplätzen dieser Welt, in den totalitären Regimen, die es auch heute noch gibt, in vielen Hunger-Regionen Afrikas, in unseren Pflegeeinrichtungen für alte, alleinstehende und demente Menschen…
…Orte an denen Menschen einander das Leben zur Hölle machen, einander nicht zur Hilfe kommen oder nicht helfen können.
Und genau dahin, das bekennt der christliche Glaube, geht der menschgewordene, gekreuzigte und auferstandene Gottessohn, um auch die Letzten erfahren zu lassen, dass sie nicht gottverlassen sind, sondern errettet werden in ein befreites, ewiges Leben.
Möge die Verheißung sich für alle Menschen bewahrheiten!
Mögen alle heimgeführt werden in das Reich Gottes!






